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| 01-CODE = T78.4
| 01-BEZEICHNUNG = Allergie, nicht näher bezeichnet
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Als '''Allergie''' ( ''to érgon'' ?das Werk?, ?die Arbeit?, ?die Reaktion?) wird eine überschießende krankhafte Abwehrreaktion des Immunsystems auf bestimmte normalerweise harmlose Umweltstoffe (Allergene) bezeichnet.

Die allergische Reaktion richtet sich gegen von außen (über die Atmung, den Magendarmtrakt, die Haut, Schleimhaut oder Blutgefäße) kommende Stoffe. Autoimmunreaktionen, also krankhafte Reaktionen des Immunsystems gegen Bestandteile des eigenen Körpers, werden nur dann zu den Allergien gezählt, wenn sie durch von außen in den Körper gelangende Stoffe und Partikel ausgelöst werden.<ref name="Literaturquelle_1">Herausgeber: Volker Friebel, Autoren: Ilse Ledvina, Armin Roßmeier ''So arbeitet das Immunsystem'' 1. Auflage, Falken-Verlag GmbH, Niederhausen/Ts. 1992, S. 51?58, ISBN 3-8068-1253-5.</ref>

Neben den Allergien gibt es weitere Unverträglichkeitsreaktionen, z.?B. die Pseudoallergie oder die Intoleranz, die mit einem ähnlichen Krankheitsbild wie eine Allergie einhergehen können. Da eine Allergie, eine Pseudoallergie oder eine Intoleranz ähnliche Symptome verursachen können, werden diese Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch undifferenziert und fälschlicherweise oft synonym verwendet.

Geschichte und Begriffsentstehung

Allergische Erkrankungen sind wahrscheinlich älter als die Menschheit. Schon aus dem alten Ägypten und aus dem alten Rom sind Krankheitsbeschreibungen bekannt, die man heute als Allergie bezeichnen würde.<ref name="Literaturquelle_1" />

Seine Beobachtung, dass manche Menschen Schnupfen und Atemwegsverengungen zeigen, wenn sie sich in der Nähe blühender Rosen aufhalten, bezeichnete der italienische Chirurg , Wolfgang Wegner (Hrsg.): ''Enzyklopädie Medizingeschichte.'' De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 40 f.; hier: S. 40.</ref>

Der Begriff ''Allergie'' wurde 1906 von Clemens von Pirquet, einem Wiener Kinderarzt, in Analogie zu ''Energie'' geprägt in der Hinsicht, dass . In dieser Definition sind sowohl verstärkte (Hyperergie), verminderte (Hypoergie) wie auch fehlende (Anergie) Reaktivitäten einbezogen. Pirquet erkannte als erster, dass Antikörper nicht nur schützende Immunantworten vermitteln, sondern auch Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen können.

Verbreitung

Allergien sind häufige Erkrankungen. Hierbei nehmen die Inhalationsallergien wie Heuschnupfen eine besonders prominente Stellung ein.

In Deutschland, zu Beginn der 1990er Jahre, gaben 9,6 % der Befragten beim Nationalen Untersuchungssurvey an, dass sie schon einmal Heuschnupfen hatten. Es gab in den alten Bundesländern einen deutlich höheren Anteil Betroffener (10,6 %) als in den neuen Bundesländern (5,8 %). Zwischen Männern und Frauen war jeweils kaum ein Unterschied zu verzeichnen.<ref name="RKI-Mauerfall">Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2009): ''20 Jahre nach dem Fall der Mauer: Wie hat sich die Gesundheit in Deutschland entwickelt?'' Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Seite 76?81, abgerufen am 28. November 2012.</ref>

Ende der 1990er Jahre beim Bundes-Gesundheitssurvey (BGS98) waren 14,5 % der Bevölkerung (15,4 % der Frauen und 13,5 % der Männer) betroffen. Die Verbreitung war sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern deutlich gewachsen. Bei den Frauen fiel diese Zunahme jeweils größer aus, sodass sich bis 1998 ein geschlechtsspezifischer Unterschied herausgebildet hatte.<ref name="RKI-DEGS1">U.Langen, R. Schmitz und H. Steppuhn, Robert Koch-Institut, Berlin: ''Häufigkeit allergischer Erkrankungen in Deutschland ? Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)'' (PDF; 617?kB) Bundesgesundheitsblatt ? Gesundheitsforschung ? Gesundheitsschutz 2013, 56:698?706, Springer-Verlag, abgerufen am 26. November 2013.</ref>

Weitere 10 Jahre später, beim Untersuchungs- und Befragungssurvey DEGS1, der von 2008 bis 2011 durchgeführt wurde, hatten sich die Zahlen auf diesem hohen Niveau stabilisiert (14,8 % gesamt, 16,5 % der Frauen und 13,0 % der Männer).<ref name="RKI-DEGS1" />

Dass sich zwischen Anfang und Ende der 1990er Jahre nicht lediglich das Antwortverhalten der Befragten verändert hat, sondern es sich um einen tatsächlichen Anstieg der Heuschnupfenhäufigkeit handelte, konnte durch vergleichende Analysen und durch Laboruntersuchungen herausgefunden werden. Auf der Basis von allergenspezifischen IgE-Tests wurde stichprobenartig bei den Gesundheitssurveys die Sensibilisierung auf Inhalationsallergene überprüft.

Im Nationalen Untersuchungssurvey 1990?1992 lag die Rate der Sensibilisierungen auf Inhalationsallergene ??genau wie die Heuschnupfenprävalenz?? in den alten Bundesländern (27,4 %) höher als in den neuen Bundesländern (24,1 %). Die Gesamtrate betrug 26,7 %. Bis zum Ende der 1990er Jahre kam es gemäß Bundes-Gesundheitssurvey (BGS98) zu einem deutschlandweiten Anstieg der Sensibilisierungsrate auf 31,2 %. Diese Zunahme war etwas weniger ausgeprägt als die beim selbst berichteten Heuschnupfen. Der Anstieg in West (auf 31,9 %) und Ost (auf 28,5 %) verlief ähnlich.<ref name="RKI-Mauerfall" />

Thesen über die Ursachen der Zunahme allergischer Erkrankungen

Eine befriedigende Erklärung für die Zunahme allergischer Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten gibt es ? wie auch für die Zunahme der Autoimmunerkrankungen ? bisher nicht, wohl aber einige Thesen:

Hygienehypothese

Einige Forscher führen den beobachteten Anstieg allergischer Erkrankungen in westlichen Industrieländern auf die sogenannte ?Dreck- und Urwaldhypothese? zurück. Diese geht von einer mangelnden Aktivierung (?Unterforderung?) des Immunsystems ? vor allem in der Kindheit und frühen Jugend ? durch übertriebene Hygienemaßnahmen aus. Es wird vermutet, dass der Kontakt mit bestimmten . PMID 11597666.</ref>

Rückgang parasitärer Erkrankungen

Die . PMID 14755074. (Review).</ref>

Umweltverschmutzung

Allergene wie das Hauptallergen der Birke, Bet v 1, können sich an Dieselrußpartikel (auch Feinstaub) anheften und so beim Einatmen unter Umständen in tiefere Lungenabschnitte gelangen. Es ist möglich, dass die Dieselrußpartikel als ?Träger? der Allergene auch eine adjuvante (unterstützende) Wirkung haben und somit eine Sensibilisierung fördern.

Die Umweltverschmutzung sorgt auch bei Haselsträuchern für Stress und verändert die Eiweißbildung derart, dass die betroffenen Menschen immer heftiger darauf reagieren.

Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums in München haben herausgefunden, dass sich die allergischen Reaktionen des Beifußblättrigen Traubenkrauts (Ambrosia artemisiifolia) verstärken, wenn sie mit Stickstoffdioxid in Verbindung treten. Dadurch erhöht sich die Anzahl der Allergene und macht sie aggressiver. Die Pollen der Ambrosia zählen zu den stärksten Allergieauslösern.

Impfungen und andere medizinische Maßnahmen

Ein Zusammenhang zwischen Allergien und . PMID 17157660.</ref>
, zu , PMID 17413050.</ref>

Erhöhte Allergenexposition

Diese Überlegung bezieht sich darauf, dass aufgrund einer erhöhten Allergenexposition vermehrt Sensibilisierungen stattfinden könnten. Ursachen für eine erhöhte Exposition könnten sein: die Zunahme des Pollenflugs infolge einer Stressreaktion von Bäumen auf die Erderwärmung oder Schadstoffbelastung, die Zunahme der Milbenexposition durch verbesserte Isolierung der Häuser, der vermehrte Konsum exotischer Lebensmittel wie Kiwi.

Veränderungen in der kommensalen Flora

Veränderungen in der kommensalen Flora könnten ebenfalls das Immunsystem beeinflussen und im Zusammenhang mit dem vermehrten Auftreten von Allergien stehen. Veränderungen in der Darmflora können durch den Einsatz von Antibiotika und durch moderne Ernährungsgewohnheiten ausgelöst werden. Die Bakterienflora der Haut könnte durch die Einführung von Windeln verändert worden sein.
Es wird diskutiert, ob Probiotika einen günstigen Effekt auf die Entwicklung von Allergien haben könnten.

Veränderte Lebensgewohnheiten

Es gibt etliche weitere Faktoren, von denen ebenfalls vermutet wird, dass sie die Entstehung allergischer Erkrankungen begünstigen können. Dies sind Rauchen, Autoabgase, Stress, kleinere Familien, veränderte Ernährung, aber auch ein veränderter individueller Lebensstil<ref name="PMID18496466">G. M. Corbo, F. Forastiere u.?a.: ''Wheeze and asthma in children: associations with body mass index, sports, television viewing, and diet.'' In: ''Epidemiology.'' Band 19, Nummer 5, September 2008, S.?747?755, . . PMID 18448493.</ref>

Ursachen allergischer Erkrankungen

Die Ursachen von Allergien kann man in genetische und nicht genetische Faktoren unterteilen.<ref name="Literaturquelle_2" />

Genetische Faktoren

Zu den genetischen Faktoren gehören: Disposition zur überschießenden Bildung von Gesamt-IgE und allergenspezifischen IgE-Antikörpern, sowie deren Fixierung besonders an Mastzellen und basophilen Granulozyten von Haut und Schleimhäuten (Atopie). Zu den genetischen Faktoren gehört auch eine verminderte Aktivität von Regulatorischen T-Zellen, deren Aufgabe es ist, die Aktivierung des Immunsystems zu begrenzen und dadurch die Selbsttoleranz des Immunsystems zu regulieren. Die allergische Reaktionsbereitschaft ist mit den HLA-Genen assoziiert.<ref name="Literaturquelle_2" />

Eindeutig belegt ist ein erhöhtes Allergierisiko für Kinder, bei denen entweder ein oder beide Elternteile Allergiker sind. Offensichtlich spielen aber mehrere genetische Faktoren zusammen, es gibt also nicht das eine ?Allergie-Gen?. Es gibt eine Vielzahl von Kandidatengenen, die möglicherweise oder wahrscheinlich an der Entstehung allergischer Erkrankungen beteiligt sind. Auch scheinen unterschiedliche allergische Veranlagungen (z.?B. Allergisches Asthma, Atopische Dermatitis) unterschiedlich genetisch determiniert zu sein.

Nicht genetische Faktoren

Gestörte Barrierefunktion der Haut

Ursache einer Allergie kann auch eine gestörte Barrierefunktion und eine damit verbundene erhöhte Durchlässigkeit von Haut und Schleimhaut sein, z.?B. durch bakterielle oder virale Infekte oder durch chemische Irritation.<ref name="Literaturquelle_2" />

Intensive Allergenexposition

Auch eine verstärkte Allergenexposition kann bei entsprechender Veranlagung zu Allergien führen.<ref name="Literaturquelle_2" /> Diese Form der Allergie spielt besonders bei berufsbedingten Allergien eine Rolle.

Stress

Körperlicher oder psycho-sozialer Stress ist nicht Ursache einer Allergie. Stress beeinflusst aber das Immunsystem. Körperlicher und/oder psycho-sozialer Stress kann deshalb eine bestehende Allergie verstärken oder aber bei einer bestehenden Sensibilisierung Auslöser für die allergische Erkrankung sein.<ref name="Literaturquelle_1" />

Auslöser

Allergene

Auslöser von Allergien sind Allergene. Allergene sind Antigene, also Substanzen, die vom Körper als fremd erkannt werden und eine spezifische Immunantwort auslösen. Diese normale körperliche Reaktion ist bei der Allergie fehlgeleitet, sodass eigentlich harmlose Antigene zu allergieauslösenden Allergenen werden. Es gibt eine Vielzahl von Allergenen. Meistens sind Allergene Polypeptide oder Proteine.<ref name="Literaturquelle_2">''Pschyrembel Klinisches Wörterbuch.'' 257. Auflage, de Gruyter, Berlin New York 1994, ISBN 3-11-012692-3.</ref>

Allergene können nach unterschiedlichen Gesichtspunkten eingeteilt werden:
  • nach der Allergenquelle (z.?B. Tierallergene, siehe insbesondere Allergie gegen Katzenepithelien, Pollenallergene, Hausstaubmilbenallergene)
  • nach der Art des Kontakts mit den Allergenen (z.?B. Inhalationsallergene, Nahrungsmittelallergene)
  • nach dem Pathomechanismus, durch den die Allergene eine allergische Reaktion auslösen (z.?B. IgE-reaktive Allergene, Kontaktallergene)
  • nach ihrer allergenen Potenz in Haupt- und Nebenallergene
  • nach ihrer Aminosäuresequenz in bestimmte Allergengruppen (z.?B. Gruppe-5-Graspollenallergene) oder in bestimmte Proteinfamilien (z.?B. Lipocaline, Profiline).

Allergene können vom Körper durch Inhalation, durch Ingestion, durch Hautkontakt oder durch Injektion (darunter fallen auch Insektenstiche), aufgenommen werden.<ref name="Literaturquelle_2" />

Nicht immunogene Substanzen

Allergien gegen Wasser und Zucker sind per Definition nicht möglich, da einer Allergie eine unangemessene Immunantwort auf ein Allergen zu Grunde liegt. Wasser und Zucker sind aber nicht immunogen und daher auch nicht ?allergisierend?. Eine Erkrankung, die gelegentlich als Wasserallergie bezeichnet wird, ist die extrem seltene ''aquagene Urtikaria'' (Wassernesselsucht). Als Wasserallergie wird hin und wieder auch eine Immunantwort auf im Leitungswasser gelöste Stoffe bezeichnet.

Sensibilisierung

Eine Allergie setzt eine Sensibilisierung voraus. Unter Sensibilisierung versteht man den 1. Kontakt mit dem Allergen und der für dieses Allergen spezifischen Immunantwort des Körpers. Diese Sensibilisierung verursacht keine Krankheitssymptome, kann aber im Blut nachgewiesen werden. Erst bei einem erneuten Kontakt mit dem Allergen nach Abschluss der Sensibilisierungsphase (5 Tage bis mehrere Jahre) treten bei Allergikern die allergischen Krankheitssymptome auf.<ref name="Literaturquelle_2" />

Prophylaxe einer Sensibilisierung

Die beste Prophylaxe gegen eine Allergie ist die Vermeidung der Sensibilisierung. Das vollständige Vermeiden von sämtlichen Allergenen ist unmöglich. Jedoch ist in bestimmten Fällen die Vermeidung bzw. Verringerung der Belastung mit potentiellen Allergenen möglich und sinnvoll:

Vermeidung von Latex

Kinder, die mit offenem Rücken (Spina bifida) geboren werden, haben ein sehr hohes Risiko einer Sensibilisierung gegen Latex. Es ist daher heute klinischer Standard, diese Kinder von Geburt an vor jedem Kontakt mit Latex (beispielsweise bei Latex-OP-Handschuhen) zu schützen.

Stillen

Die optimale Ernährung für Neugeborene ist das ausschließliche Stillen während mindestens der ersten 4 Lebensmonate. Es gibt retrospektive Studien, die beobachtet haben, dass gestillte Kinder seltener an Allergien leiden als nicht gestillte.

Hunde und Katzen

Es gibt auch Studien dazu, dass Haushunde und auch Hauskatzen vor Allergien schützen können.<ref name="DOI10.1016/j.jaci.2013.04.009">C. Pelucchi, C. Galeone u.?a.: ''Pet exposure and risk of atopic dermatitis at the pediatric age: a meta-analysis of birth cohort studies.'' In: ''The Journal of allergy and clinical immunology.'' Band 132, Nummer 3, September 2013, S.?616?622.e7, .</ref>

Arbeitsschutz

Die exogen-allergische Alveolitis ist meist eine Berufskrankheit, die durch die Inhalation von bestimmten Stäuben (z.?B. Mehl bei der Bäcker-Lunge) verursacht wird. Durch entsprechende Arbeitsschutz-Maßnahmen, wie das Tragen von Feinstaubmasken oder auch die Verwendung von Abzugshauben, kann der Allergenkontakt vermindert und die Mitarbeiter somit vor einer Sensibilisierung geschützt werden.

Symptome

Das Risiko an einer Allergie zu erkranken, wird durch genetisch fixierte Prädisposition, durch die aktuelle Abwehrlage der Körpergrenzflächen, durch Häufigkeit und Intensität der Allergenexposition und durch die allergene Potenz der betreffenden Substanz bestimmt.<ref name="Literaturquelle_2" /> Die Symptome einer Allergie können mild bis schwerwiegend und in einigen Fällen sogar akut lebensbedrohlich sein. Expositionsbedingt kann es sein, dass die Symptome nur saisonal auftreten, etwa zur Zeit des entsprechenden Pollenflugs, oder dass die Symptome ganzjährig auftreten, wie bei einer Allergie gegen Hausstaubmilbenkot.

Je nachdem, mit welchem Organ Allergene durch den Körper aufgenommen werden, entstehen bei der Allergie unterschiedliche Krankheitssymptome.<ref name="Literaturquelle_2" /> Allergiker können an einer Krankheitsform leiden, aber auch an Mischformen.

Symptome durch Inhalationsallergene

Inhalationsallergien gehören zu den Typ-1-Allergien vom Soforttyp.<ref name="BLGL">Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, ''Inhalationsallergie: Krankheitsbild, Häufigkeit, Auslöser, diagnostische Maßnahmen.'' Abgerufen am 3. März 2016.</ref> Inhalationsallergene werden über die Atmungsorgane aufgenommen und/oder gelangen über die Schleimhäute von Nase und Augen in den Körper.<ref name="Institut Umweltforschung">Institut für Umweltforschung e.?V., ''Inhalationsallergene.'' Abgerufen am 1. März 2016.</ref> Zu den Inhalationsallergenen gehören z.?B. Allergene aus Pollen, Pilzsporen, tierischen Epithelien, Federstaub, Speichel, Schweiß, Urin und Kot, Milbenkot, Insektenschüppchen, Holz- und Mehlstaub, Formaldehyd und Harzen.<ref name="Literaturquelle_2" />

Inhalationsallerge lösen primär Atemwegssymptome aus, können sekundär aber auch Haut- und Darmsymptome sowie Kreislauf- und Nervenreaktionen auslösen.<ref name="Literaturquelle_2" /> Typische allergische Erkrankungen durch Inhalationsallergene sind Allergische Rhinitis (Heuschnupfen), Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Hustenreiz, bronchiale Hyperreaktivität, Asthma bronchiale.<ref name="Institut Umweltforschung" />

Symptome durch Ingestionsallergene

Ingestionsallergene werden durch den Mund bzw. den Verdauungstrakt aufgenommen. Manche Ingestionsallergene werden erst im Laufe des Verdauungsprozesses freigesetzt und vom Körper aufgenommen. Die Symptome einer Allergie gegen Nahrungsmittel oder gegen oral aufgenommene Medikamente kann deshalb innerhalb weniger Minuten oder auch erst mehrere Stunden nach der Nahrungsaufnahme/ Medikamenteneinnahme auftreten, obwohl es sich bei der Nahrungsmittelallergie um eine Typ-I-Soforttyp-Allergie handelt. Die Arzneimittelallergie kann in Form eines Arzneimittelexanthems auch als Typ-IV-Spätreaktion auftreten.<ref name="Literaturquelle_2" />

Ingestionsallergene können bei entsprechend veranlagten und sensibilisierten Menschen primär Verstopfung, Brechdurchfall oder abdominale Koliken verursachen, über die Aufnahme der Allergene durch das Blut auch Haut- und/oder Atemwegssymptome.<ref name="Literaturquelle_2" />

Symptome durch Kontaktallergene

Kontaktallergene werden über die Haut aufgenommen. Sie überwinden die Barrierefunktion der Haut. Kontaktallergene können sowohl eine Sofortreaktion der Haut auslösen z.?B. Kontakturtikaria oder auch eine Spätreaktion (Typ-IV-Spättyp-Allergie), die erst nach 12 bis 72 Stunden eintritt, z.?B. das allergische Kontaktekzem.<ref name="Literaturquelle_2" />

Symptome durch Injektionsallergene

Injektionsallergene werden durch Injektion oder Infusion in den Körper eingebracht. Die Barrierefunktion von Haut und Schleimhaut wird dadurch umgangen. Zu den Injektionsallergenen gehören tierische Gifte (z.?B. von Bienen, Wespen, Feuerameisen, Quallen, Seeanemonen, Feuerkorallen) und Medikamente (z.?B. Penicillin).<ref name="Literaturquelle_2" />

Zu den typischen allergischen Reaktionen durch Injektionnsallergene gehören eine gesteigerte örtliche Reaktion und/oder anaphylaktische Reaktionen.

Systemische Reaktionen

Unabhängig davon, mit welchem Organ Allergene vom Körper aufgenommen werden, kann eine Allergie auch systemische Reaktionen verursachen, die den gesamten Körper betreffen, z.?B. Urtikaria und anaphylaktische Reaktionen.<ref name="Literaturquelle_2" />

Kreuzallergie

Unter einer Kreuzallergie versteht man eine Sensibilisierung gegenüber biologisch oder chemisch verwandten Substanzen. Die Struktur dieser Substanzen ist teilweise identisch, so dass vom Immunsystem mehrere unterschiedliche Substanzen als Allergen erkannt werden können, obwohl eine Sensibilisierung nur gegen eine der Substanzen vorliegt. Beispielsweise können Allergiker gegen Birkenpollen auch auf Äpfel allergisch reagieren. Die allergische Reaktion kann bei der Kreuzallergie bereits beim Erstkontakt erfolgen, wenn es vorher eine Sensibilisierung mit einer ähnlichen Substanz gab.<ref name="Literaturquelle_2" /><ref name="DAAB">Deutscher Allergie- und Asthmabund e.?V. (DAAB), ''Kreuzallergie.'' Abgerufen am 4. März 2016.</ref>

Systematik von Allergien nach Pathomechanismus

Coombs und Gell haben 1963 als erste Menschen Allergien nach ihrem pathophysiologischen Mechanismen in vier Typen eingeteilt, die sich überlappen können:

Frühtypen

Die Typ-I- bis Typ-III-Allergien werden durch Antikörper vermittelt (humorale Allergie).<ref name="Literaturquelle_2" />

Typ-I-Allergie (Soforttyp, anaphylaktischer Typ)

Die Typ-I-Allergie ist die häufigste Allergieform.<ref name="DDG">Deutsche Dermatologische Gesellschaft, Vereinigung deutschsprachiger Dermatologen e.?V., ''Allergien erkennen ? Leben retten.'' Abgerufen am 5. März 2016.</ref>

Bei der Typ-I-Allergie liegt eine Fehlfunktion der Regelung der IgE-Antikörper vor. IgE-Antikörper bewirken durch mehrere Mediatoren schon in geringen Mengen eine Erweiterung der Blutgefäße und steigern deren Durchlässigkeit für weiße Blutkörperchen. T-Zellen, die normalerweise die IgE-Aktivität auf ein vernünftiges Maß einschränken, fehlen bei der Typ-I-Allergie oder sind zu wenig aktiv. Bei der Typ-I-Allergie werden durch die Vermittlung von IgE-Antikörpern Entzündungsmediatoren, z.?B. Histamin, Leukotriene, Prostaglandine, Kallikrein, aus Basophilen Granulozyten und Mastzellen freigesetzt. Dadurch wird eine Entzündung von Haut, Schleimhaut oder eine systemische Entzündung hervorgerufen.<ref name="Literaturquelle_1" /><ref name="Literaturquelle_2" /><ref name="DDG" />

Die allergische Reaktion bei der Typ-I-Allergie erfolgt innerhalb von Sekunden bis Minuten. Eventuell ist eine zweite Reaktion nach 4 bis 6 Stunden möglich (verzögerte Sofortreaktion). Diese zweite Reaktion darf nicht mit der Spättypreaktion der Typ-IV-Allergie verwechselt werden.<ref name="Literaturquelle_2" />

Typische Krankheiten der Typ-I-Allergie:<ref name="Literaturquelle_1" /><ref name="Literaturquelle_2" />

Typ-II-Allergie (zytotoxischer Typ)

Bei der Typ-II-Allergie kommt es zur Bildung von Immunkomplexen aus membranständigen Antigenen (z.?B. Medikamenten, Blutgruppenantigenen) mit zirkulierenden IgG- oder IgM-Antikörpern. Dadurch werden das Komplementsystem oder zytotoxische Killerzellen aktiviert und es kommt zur Zytolyse (Zerstörung) körpereigener Zellen.<ref name="Literaturquelle_2" />

Die allergische Reaktion bei der Typ-II-Allergie erfolgt nach 6 bis 12 Stunden.<ref name="Literaturquelle_2" />

Typische Krankheiten für die Typ-II-Allergie:<ref name="Literaturquelle_2" />

Typ-III-Allergie (Immunkomplextyp, Arthus-Typ)

Bei der Typ-III-Allergie werden Immunkomplexe aus präzipitierenden IgG- und IgM-Antikörpern und Allergenen gebildet. Dadurch werden Komplementfaktoren aktiviert, insbesondere C3a und C5a. Diese speziellen Teile des Komplementsystems führen zur Phagozytose (aktiven Aufnahme) der Immunkomplexe durch Granulozyten unter Freisetzung gewebeschädigender Enzyme, z.?B. Elastase, Kollagenase, Myeloperoxidase.<ref name="Literaturquelle_2" />

Die allergische Reaktion bei der Typ-III-Allergie erfolgt nach 6 bis 12 Stunden.<ref name="Literaturquelle_2" />

Typische Krankheiten für die Typ-III-Allergie<ref name="Literaturquelle_2" />:

Spättyp

Die Typ-IV-Allergie wird durch spezifisch sensibilisierte T-Zellen vermittelt (zellvermittelte Allergie).<ref name="Literaturquelle_2" />

Typ-IV-Allergie (verzögerter Typ)

Die Typ-IV-Allergie ist nach der Typ-I-Allergie die häufigste Allergieform.<ref name="Literaturquelle_1" />

Bei der Typ-IV-Allergie werden Lymphokine aus spezifisch sensibilisierten T-Lymphozyten freigesetzt. Diese Lymphokine bewirken die Aktivierung bzw. Vermehrung von Makrophagen und mononukleären Zellen sowie deren Wanderung an den Ort der Allergenbelastung. Dadurch erfolgt eine lokale Infiltration und Entzündung.<ref name="Literaturquelle_2" />

Die allergische Reaktion bei der Typ-IV-Allergie erfolgt nach 12 bis 72 Stunden.<ref name="Literaturquelle_2" />

Typische Krankheiten der Typ-IV-Allergie<ref name="Literaturquelle_2" />:

Allergietests

Auch ein positiver Allergietest ist allein kein Nachweis für eine Allergie. Die Diagnose Allergie kann nur im Zusammenhang mit dem Allergietest und den klinischen Beschwerden gestellt werden. Durch den Hauttest und den Bluttest wird lediglich die Sensibilisierung gegen eine bestimmte Substanz nachgewiesen. Diese Testungen sagen wenig darüber aus, ob überhaupt Beschwerden bestehen oder über die Art oder Schwere der Beschwerden. Mit den Provokationstests werden eine Unverträglichkeit und das Beschwerdebild dieser Unverträglichkeit nachgewiesen, aber nicht, ob es sich bei dieser Unverträglichkeit tatsächlich um eine Allergie handelt.<ref name="DAN">Netzwerk Deutscher Apotheker GmbH (DAN), ''Allergien.'' Abgerufen am 6. März 2016.</ref>

Hauttests

Hauttests werden als Standarduntersuchungen vorgenommen, wenn der Verdacht besteht, dass ein Patient allergisch auf eine Substanz reagiert. Beim Hauttest werden Allergenextrakte bzw. allergenhaltiges Material auf verschiedene Weisen mit der Haut in Kontakt gebracht. Sensibilisierte Betroffene zeigen nach definierten Zeiten lokale Reaktionen vom Sofort-Typ oder Spät-Typ. An ihnen kann abgelesen werden, gegen welche Allergene oder Allergenquellen der Patient sensibilisiert ist. Dieser Test kann unter Umständen auch Hinweise auf den Schweregrad der allergischen Reaktion geben.

  • '''Pricktest:''' Die am häufigsten angewendete Methode ist der ''Pricktest'' (auch ''skin prick test (SPT)''), bei dem einzelne Tropfen von glyzerinisierten Allergenextrakten sowie Histamin und isotonische Kochsalzlösung (als Referenzen) auf den Unterarm oder den Rücken aufgebracht werden. Durch die Tropfen hindurch wird mit einer Spezialnadel (Lanzette) etwa 1?mm in die Haut gestochen. Nach ca. 15 Minuten kann die Sofortreaktion abgelesen werden.
  • '''Prick-to-prick-Test:''' Beim ''Prick-to-prick-Test'' wird erst mit der Lanzette in die vermutete Allergenquelle gestochen (Früchte) und dann in die Haut des Patienten.
  • '''Intrakutantest:''' Beim ''Intrakutantest'' werden ca. 20?Mikroliter von wässrigen Allergenextrakten mit einer Tuberkulinspritze oberflächlich in die Haut injiziert.
  • '''Reibetest:''' Der ''Reibetest'' wird bei besonders empfindlichen Menschen angewandt. Der Arzt reibt den vermuteten Allergieauslöser an der Innenseite des Unterarms. Bei positiver Reaktion zeigen sich großflächige Rötungen oder Quaddeln.
  • '''Scratchtest:''' Beim ''Scratchtest'' werden Allergenextrakte auf die Beugeseite des Unterarms gegeben und die Haut mit einer Lanzette 5?mm lang oberflächlich angeritzt. Dieser Test wird aber wegen seiner Ungenauigkeit selten angewendet.
  • '''Epikutantest:''' Unter anderem bei der Kontaktdermatitis wird ein Pflastertest angewendet, der ''Epikutantest'' oder ''Atopie-Patch-Test''. Dabei werden die vermuteten Allergene in Vaseline eingearbeitet eingesetzt. Die Allergen-Vaseline-Mischungen werden auf zirka 1,5 Zentimeter im Durchmesser große und zirka zwei Millimeter tiefe Aluminiumscheiben gebracht. Mit einem Pflaster werden diese Aluminiumkammern dann so auf die Haut am Rücken oder an den Oberarmen des Patienten geklebt, dass die Allergen-Vaseline-Mischungen auf der Haut fixiert werden. Weil Kontaktdermatitiden Spät-Typ-Reaktionen sind, muss das Pflaster zwei bis drei Tage auf der Haut bleiben, bevor ein Ergebnis abgelesen werden kann. Problematisch bei diesem Test sind die geringe Sensitivität und die schlechte Reproduzierbarkeit. Der Atopie-Patch-Test wird daher derzeit bei Nahrungsmitteln nicht mehr empfohlen.

Provokationstests

Bei Provokationstests wird das vermutete Allergen dem Patienten nicht über die Haut, sondern in anderer Form zugeführt. Der wesentliche Vorteil der Provokationstests liegt darin, dass eine Beschwerde-Auslösung nachgewiesen werden kann und nicht nur wie beim Bluttest mittels Nachweis von IgE-Antikörpern eine Sensibilisierung. Da bei Provokationstests unerwartet heftige Krankheitszeichen bis zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock auftreten können, sollten sie nur von einem allergologisch erfahrenen Arzt durchgeführt werden, der erforderlichenfalls auch die entsprechenden Notfallmaßnahmen durchführen kann.

Rhinomanometrie

Bei allergischer Rhinoconjunctivitis (Heuschnupfen) kann zur Provokation ein Allergenextrakt in die Nase gesprüht werden und anschließend die allergische Reaktion gemessen werden, indem die Schwellung der Nasenschleimhaut mittels einer sogenannten Rhinomanometrie oder der Tryptase-Spiegel im Blut gemessen wird.

Lungenfunktionsprüfung

Bei allergischem Asthma erfolgt die Provokation durch die Inhalation eines Allergenextrakts mit anschließender Erfassung der allergischen Reaktion mit einer Lungenfunktionsprüfung. Da Asthma meist mit einer bronchialen Hyperregibilität einhergeht, kann auch unspezifisch mit ansteigenden Konzentrationen einer Methacholin-Lösung provoziert werden (Methacholintest).

Doppelblinde plazebokontrollierte orale Nahrungsmittelprovokation

Bei schweren Nahrungsmittelallergien kann die ''double blind placebo controlled food challenge'' (Doppelblinde plazebokontrollierte orale Nahrungsmittelprovokation (DBPCFC)) angewendet werden. Dabei werden einer hypoallergenen Grundnahrung nach und nach verschiedene Nahrungsmittel so zugefügt, dass weder der Patient noch der Arzt das Nahrungsmittel erkennen kann. Dabei wird die Verträglichkeit beobachtet. So kann festgestellt werden, welche Nahrungsmittel allergische Reaktionen auslösen, und es können andersherum auch Nahrungsmittel identifiziert werden, die gefahrlos konsumiert werden können. Dieses Verfahren ist allerdings sehr zeitaufwändig und kann i.?d.?R. nur stationär durchgeführt werden.<ref name="Leitlinie Nahrungsmittel">Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), des Äzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) sowie der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), ''Standardisierung von oralen Provokationstests bei Nahrungsmittelallergien.'' Abgerufen am 5. März 2016.</ref>

Blutuntersuchungen

IgE Antikörper

In Blutproben können IgE-Antikörper gemessen werden. Zum einen kann der Gesamt-IgE-Spiegel gemessen werden, der alle freien IgE-Antikörper erfasst. Dieser Wert ermöglicht eine Aussage darüber, ob generell vermehrt IgE-Antikörper gebildet werden. Erhöhte Gesamt-IgE-Werte kommen aber nicht nur bei allergischen Erkrankungen vor, sondern auch bei Parasitenbefall und bestimmten hämatologischen Erkrankungen.

Zum anderen können auch allergenspezifische IgE-Antikörper nachgewiesen werden. Hierbei werden also die IgE-Spiegel ermittelt, die sich konkret gegen eine Allergenquelle richten.

Die quantitative Messung von IgE-Antikörpern im Blut korreliert jedoch nur schlecht mit dem klinischen Bild. Das heißt, die Messung von IgE-Antikörpern im Blut erlaubt eine Aussage über die Sensibilisierungen eines Allergikers, aber nur bedingt eine Einschätzung der Schwere der Symptome und gar keine Aussage über die Art der Symptome. Es kann auch sein, dass allergenspezifische IgE-Antikörper trotz Sensibilisierung nicht nachgewiesen werden können.

ECP

Ein weiterer Parameter, der in Blutproben gemessen werden kann, ist das eosinophile kationische Protein (ECP). ECP wird von aktivierten Eosinophilen ausgeschüttet. ECP ist ein Entzündungsparameter und wird zur Verlaufskontrolle bei allergischem Asthma oder bei atopischer Dermatitis bestimmt.

Tryptase

''Tryptase'' kann ebenfalls in Blutproben nachgewiesen werden. Tryptase wird von aktivierten Mastzellen ausgeschüttet und ist ein für aktivierte Mastzellen hochspezifischer Parameter. Der Tryptase-Spiegel wird auch bestimmt zur Diagnostik beim anaphylaktischen Schock, zur postmortalen Diagnose beim Asthmatod, zur Diagnostik der Mastozytose und bei der Provokationstestung bei allergischer Rhinitis.

LTT

Durch einen Lymphozytentransformationstest (LTT) kann die Bestimmung sensibilisierter Lymphozyten nachgewiesen und quantifiziert werden. Dies kann bei bestimmten Typ-IV-(Spät-)Allergien sinnvoll sein.

Therapie

Allergenkarenz

Die Allergenkarenz, d.?h. die Allergenvermeidung, ist bei sensibilisierten Personen die optimale Therapie, um eine Allergie zu vermeiden, da eine Allergie nur bei einem Kontakt mit dem entsprechenden Allergen auftreten kann. Eine fortgesetzte Allergenbelastung steigert die Immunantwort auf das Allergen, während eine dauerhafte Allergenkarenz die Sensibilisierung zwar nicht aufhebt, die spezifische Immunantwort aber abschwächt. Wenn die strikte Vermeidung eines Allergens nicht möglich ist, sollte eine möglichst weitgehende Verringerung der Allergenbelastung erfolgen, da eine Allergie auch von der Intensität der Allergenbelastung abhängt.<ref name="Literaturquelle_2" /><ref name="Westend">Allergie- und Asthma-Zentrum Westend (AAZW), ''Pollen, Milben und Co. ? Was tun bei Allergien?'' Abgerufen am 6. März 2016.</ref>

Bestimmte Produkte, wie milbendichte Matratzenbezüge bei der Hausstaubmilbenallergie oder Pollenfilter in Klimaanlagen bei der Pollenallergie, helfen, den Allergenkontakt zu reduzieren. Auch wenn bei der Tierhaarallergie ein Verzicht auf Haustiere den Allergenkontakt stark reduziert, so sind Tierhaarallergene sehr stabil, werden verschleppt und können auch an Orten wie Schulen nachgewiesen werden, an denen normalerweise keine Tiere gehalten werden. Nahrungsmittelallergene hingegen können meistens sehr gut vermieden werden.

Medikamentöse Therapie

Die meisten Allergien werden mit Medikamenten behandelt, die das Auftreten von allergischen Symptomen mildern oder verhindern, aber keine Heilung von der allergischen Erkrankung bewirken können. Diese Antiallergika werden je nach Krankheitsform und Schwere der Erkrankung in unterschiedlichen Darreichungsformen (Tabletten, Nasensprays, Asthmasprays, Augentropfen, Cremes, Salben und Injektionen) und in unterschiedlichen Intervallen (bei akutem Bedarf, prophylaktisch, dauerhaft) angewendet.

Eingesetzte Wirkstoffe sind

Patienten, bei denen bekannt ist, dass sie Gefahr laufen, einen anaphylaktischen Schock zu erleiden (z.?B. bei Insektengiftallergien), wird ein Notfallset mit Antihistaminikum, Glukokortikoid, eventuell einem Inhalationspräparat und einem Autoinjektor mit Adrenalin verschrieben (Adrenalin-Pen), welches sie stets bei sich tragen sollten.<ref name="ll-anaphylaxie" />

Ausblicke

Verschiedene Wirkstoffe vor allem zur Dämpfung der Immunreaktion werden derzeit auf ihre Eignung als Medikament getestet.
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| width="15" | || width="170" align="left" style="background:#efefef;" | Wirkstoff (Markenname) || width="350" align="left" style="background:#efefef;" | Wirkprinzip || width="300" style="background:#efefef;" | Status || width="100" style="background:#efefef;" | Quellen
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| || CYT003-QbG10 || Immunmodulator (T-Zellen Th2 -> Th1 Shift) || Phase-II-Studien erfolgreich || http://www.cytos.com/doc/Cytos_Press_D_060920.pdf#search=%22cyt003%22http://www.cytos.com/userfiles/file/Cytos_Press_D_090113.pdfhttp://www.cytos.com/userfiles/file/Cytos_Press_D_100521.pdf
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| || TOLAMBA || Immunmodulator (T-Zellen Th2 -> Th1 Shift) || Phase-II/III-Studie erfolgreich || http://salesandmarketingnetwork.com/news_release.php?ID=2010225&key=Pfizer
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| || AIC || Immunmodulator (Histamin-Reduktion) || Phase-III-Studie läuft || http://www.newscientist.com/article/dn10223-allergy-vaccine-shows-hay-fever-promise.html
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|}

Hyposensibilisierung

Die Hyposensibilisierung, auch ''Spezifische Immuntherapie (SIT)'', ist bislang die einzige verfügbare kausale Therapie bei Typ-I-Allergien. Bei der Hyposensibilisierung wird die allergenspezifische IgE-vermittelte Reaktionsbereitschaft des Immunsystems (Allergie vom Soforttyp, Typ-I-Allergie) herabgesetzt durch regelmäßige Zufuhr des Allergens über einen längeren Zeitraum in unterschwelligen, langsam ansteigenden Konzentrationen. Das Allergen oder das modifizierte Allergen (Allergoid) werden entweder unter die Haut gespritzt (subkutane Immuntherapie (SCIT)) oder als Tropfen oder Tabletten sublingual (sublinguale Immuntherapie (SLIT)) aufgenommen.<ref name="Literaturquelle_2" /><ref name="Leitlinie SIT">S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI): (Allergen-) spezifische Immuntherapie bei IgE vermittelten allergischen Erkrankungen (Stand 10/2014, online: AWMF-Register Nr. 061-004) Abgerufen am 7. März 2016.</ref>

Voraussetzung für eine erfolgreiche Hyposensibilisierung ist die Bereitschaft und Fähigkeit des Allergikers, die Therapie über einen Zeitraum von drei Jahren, sowie die anschließende Erhaltungstherapie, regelmäßig durchzuführen. Die Indikation für eine Hyposensibilisierung besteht für Menschen ab 5 Jahre, wenn das verursachende Allergen nicht gemieden werden kann, die Wirkung der Hyposensibilisierung für die behandelnde Erkrankung belegt ist und ein geeigneter Allergenextrakt verfügbar ist. Die Wirksamkeit der Hyposensibilisierung ist durch mehrere Studien für Rhinokonjunktivitis bei Pollenallergie, für das allergische Asthma bronchiale, für die Hausstaubmilbenallergie, für die Schimmelpilzallergie, für die Tierhaarallergie und für die Insektengiftallergie belegt.<ref name="Leitlinie SIT" />

Auch konnte durch entsprechende Studien für einige Produkte nachgewiesen werden, dass durch die Hyposensibilisierung das Asthmarisiko verringert und die Neusensibilisierung auf weitere Allergene reduziert wird. Aus diesem Grund sollte die Hyposensibilisierung bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig erfolgen und solche Produkte gewählt werden, für die dieser Effekt nachgewiesen wurde.<ref name="Leitlinie SIT" /><ref name="PMID11591189">G. B. Pajno, G. Barberio u.?a.: ''Prevention of new sensitizations in asthmatic children monosensitized to house dust mite by specific immunotherapy. A six-year follow-up study.'' In: ''Clinical and experimental allergy.'' Band 31, Nummer 9, September 2001, S.?1392?1397, . PMID 11591189.</ref>

Prognose

Nahrungsmittelallergien bei Kindern

Das Immunsystem von Kindern ist noch nicht voll ausgereift. Kinder haben deshalb eine erhöhte Allergieneigung. Auch und gerade bei Kindern kann deshalb im Verlauf der Erkrankung eine Allergieform durch eine andere ersetzt werden oder zu einer Allergie eine weitere hinzutreten. Bei konsequenter Meidung des auslösenden Allergens verschwindet eine Nahrungsmittelallergie mit Reifung des Immunsystems meistens bis zum 5. Lebensjahr, vor allem die Kuhmilch- und die Hühnereiallergie. Andere Nahrungsmittelallergien, z.?B. die Erdnussallergie, haben allerdings nur eine geringe Besserungstendenz.<ref name="PINA">pina e.?V. - Präventions- und Informationsnetzwerk Allergie und Asthma ''Allergien und Asthma bei Kindern und Jugendlichen, das PINA online-Buch'' Abgerufen am 14. Februar 2019.</ref>

Veränderte Reaktionsbereitschaft von Zellen

Besonders bei chronischem Verlauf der Typ-I-Allergie erhöht sich die Reaktionsbereitschaft von Mastzellen, Monozyten, sowie von basophilen und eosinophilen Granulozyten. Dadurch können die Symptome einer bestehenden Allergie verstärkt werden und/oder neue Allergien hinzutreten.<ref name="Literaturquelle_2" />

Etagenwechsel

Unter einem Etagenwechsel versteht man bei der Inhalationsallergie das Übergreifen IgE-vermittelter Allergiesymptome (Typ-1-Sofort-Allergie) von den Konjunktiven (Bindehaut des Auges) auf die Nasen- und Bronchialschleimhaut oder von den oberen Atemwegen auf die unteren Atemwege, ein Heuschnupfen wird zum allergischen Asthma. Auch das Hinzutreten weiterer Inhalationsallergien und/oder das Auftreten von Kreuzallergien wird als Etagenwechsel bezeichnet.<ref name="Literaturquelle_2" />

Unbehandelt führen 30?40 % aller Allergien gegen Inhalationsallergene zu einem Etagenwechsel.<ref name="Literaturquelle_2" />

Pseudoallergien und Intoleranzen

Es gibt Krankheiten, deren Symptome einer Allergie gleichen, die jedoch nicht immunologisch bedingt sind. Diese Krankheiten werden als Pseudoallergie oder Intoleranz bezeichnet.

Bei der Pseudoallergie werden die allergieähnlichen Symptome ausgelöst, indem Mastzellen unspezifisch aktiviert werden. Wenn Mastzellen aktiviert werden und degranulieren, dann setzen sie eine Reihe von Entzündungsmediatoren (z.?B. Histamin) frei. Es entsteht eine Entzündungsreaktion, die sich in allergieähnlichen Symptomen äußert.

Während bei Allergien die Aktivierung der Mastzellen spezifisch erfolgt, nämlich dadurch, dass bestimmte Allergene an oberflächlich gebundene Antikörper binden können, so erfolgt die Mastzell-Aktivierung bei Pseudoallergien unspezifisch, also ohne Beteiligung der oberflächlich gebundenen Antikörper.

Abzugrenzen von der Pseudoallergie und der Allergie ist die Intoleranz, die ebenfalls allergieähnliche Symptome verursachen kann. Bei der Intoleranz handelt es sich um eine Stoffwechselstörung. Der Körper kann bestimmte Substanzen nicht oder nicht ausreichend verstoffwechseln, meistens aufgrund eines Enzymdefektes.

Facharzt für Allergologie

Die Ausbildung zum Allergologen ist eine Zusatzausbildung für Fachärzte. Dieser Facharzt ist also nur für Allergien in seinem Fachbereich zuständig. Für die Hauttestungen ist aber immer der Dermatologe mit der Zusatzausbildung Allergologie zuständig. Für die mit ähnlichen Symptomen auftretenden Pseudoallergien und Intoleranzen gibt es keine speziellen Fachärzte.

Da sich beim Allergiker aber die Symptome nur in den seltensten Fällen auf ein Organ beschränken, der Kranke selbst gar nicht erkennen kann, ob seine Symptome von einer Allergie, einer Pseudoallergie oder einer Intoleranz herrühren und welche spezielle Diagnostik er benötigt, ist die Diagnose von Unverträglichkeiten oft langwierig und schwierig, da man für die Diagnose oft mehrere Ärzte aufsuchen muss.

Siehe auch

Literatur

  • '' 1906;30:1457?1458?die erste Erwähnung des Begriffs ?Allergie?
  • Björn M. Hausen, Ines K. Vieluf: ''Allergiepflanzen ? Handbuch und Atlas. Kontaktallergene ? Allergische Frühreaktionen''. 2. erweiterte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft, Hamburg 1997, ISBN 3-933203-48-1.
  • Claus Bachert, Bernd Kardorff: ''Allergische Erkrankungen in der Praxis'', 2. Auflage, Uni-Med Verlag, Bremen 2001, ISBN 3-89599-505-3.
  • Lothar Jäger: ''Allergien. Ursachen, Therapien, Vorbeugung''. Beck, München 2000, ISBN 3-406-44740-6.
  • Josef Spritzendorfer: ''Nachhaltiges Bauen mit ?wohngesunden? Baustoffen.'' C. F. Müller Verlag, Heidelberg, 2007, ISBN 978-3-7880-7802-7.
  • Jörg Rinne, Jens Becker: ''Das 1x1 der Allergie.'' Synergia Verlag, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-9810894-8-6.
  • {{Literatur
   |Autor=Cathleen Muche-Borowski et al.
   |Titel=Klinische Leitlinie: Allergieprävention
   |Sammelwerk=[[Deutsches Ärzteblatt|Dtsch Arztebl Int]]
   |Nummer=106(39)
   |Datum=2009
   |Seiten=625?631
   |Online=[http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=66063 Artikel]}}

  • Reto Coutalides: ''Innenraumklima. Keine Schadstoffe in Wohn- und Arbeitsräumen. ''Werd Verlag, Zürich 2002, ISBN 3-85932-419-5.
  • Thomas Schmitz-Günther: ''Wenn wohnen krank macht. Schadstoffe erkennen, beseitigen, vermeiden; Öko-Test ? richtig gut leben.'' Südwest, München 2007, ISBN 978-3-517-08311-7.
  • Michael Wullinger, Agnes Fatrai (Hrsg.): ''Allergiebehandlung mit chinesischer Medizin.'' München, Elsevier, 2007, ISBN 978-3-437-57440-5.
  • Bärbel Häcker: ''Allergie.'' In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): ''Enzyklopädie Medizingeschichte.'' De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 40 f.

Weblinks

Einzelnachweise